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Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

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Vigée Le Brun im Grand Palais

Nachdem ich in zwei Blogeinträgen hintereinander so sehr von Elisabeth Vigée Le Brun, ihrem Werk und der Ausstellung in Paris geschwärmt hatte, bin ich Mitte Dezember für ein paar Tage nach Paris gefahren, um mir die Ausstellung selber anzuschauen.

Unter dem Eindruck der Anschläge vom November war Paris tatsächlich nicht die Stadt, die ich von vorherigen Besuchen kannte. Trotz der Vorweihnachtszeit erschien sie weniger überfüllt. Tatsächlich hieß es, es wären bis zu 30 % weniger Touristen in der Stadt gewesen. Vor allem deutsche Stimmen habe ich weniger gehört. Asiaten und Amerikaner haben sich offenbar von den Terroristen weniger abschrecken lassen. Einen Vorteil hatte die vermeintliche Bedrohung dennoch: Die Museen waren weniger überfüllt, vor dem Louvre etwa gab es überhaupt keine Schlange! Nachdem Freunde mir noch geraten hatten, die Eintrittskarten für die Vigée Le Brun-Ausstellung über das Internet zu buchen, um längere Wartereien zu vermeiden, konnte ich jedoch auch am Eingang des Grand Palais keine Warteschlangen entdecken. Dennoch war es in der Ausstellung immer noch voll genug. Besonders zu Beginn drängelten sich die Besucher mit den unvermeidlichen Audioguides vor den Selbstbildnissen. Weiter hinten löste sich das Gedränge aber zusehends auf.

Und natürlich war es eine großartige Ausstellung. Der Katalog hatte mich ja bereits auf die Bilder eingestimmt. All die Porträts auf einem Fleck versammelt zu sehen, war dennoch eine beeindruckende Erfahrung. Die Ausstellung reichte über zwei Stockwerke und war grob chronologisch und thematisch gegliedert. Am Anfang waren ihre Selbstporträts zu sehen, es folgten die frühen Jahre und erste Erfolge, Marie Antoinette war ein eigener Raum gewidmet, ebenso den anderen Pariser Malerinnen und den Kinderbildnissen. Italien, Deutschland und Österreich, Russland waren die Stationen im Exil. Die Rückkehr nach Frankreich, Reisen nach England und in die Schweiz bildeten den Schluss dieser an seltenen und zum Teil vollkommen unbekannten Bildern so reichen Schau.

Noch nie im Originial gesehen hatte ich etwa ihre kleinformatigen Landschaften in Pastell, die teilweise an die Landschaften der deutschen Romantiker erinnerten, auch einige Porträts aus Privatbesitz wie etwa das schöne Porträt des Grafen von Andlau kannte ich bisher noch nicht. Ebenso hatte ich das entzückende Porträt ihrer Tochter (Abbildung) mit dem Spiegel bisher nur auf Abbildungen gesehen.

Bildnisse der Königin Luise von Preussen und der Prinzessin Radziwill im Besitz der Hohenzollern, Marie Antoinettes Portät aus den Sammlungen des Prinzen von Hessen bei Rhein, ein Bildnis von Madame Dubarry oder das Brustibldnis der Lady Hamilton als Ariadne waren weitere selten ausgestellte Kostbarkeiten. Aber auch die bekannteren Bilder aus den USA, dem Louvre oder aus der Eremitage erhielten durch die geschickte Platzierung neue Bedeutungen. Die Bilder hingen dicht an dicht an farbigen Wänden, was den Bildern gut bekam und ihre Leuchtkraft sogar noch hervorhob. Erst in dieser Ausstellung ist mir klar geworden, dass die Malerin ihre Modelle immer - soweit wie möglich - in Lebensgröße dargestellt hat. Nur in wenigen Fällen, wie etwa bei dem riesigen Porträt von Marie Antoinette mit ihren Kindern, ist sie davon abgewichen. Vigée Le Brun hatte ja feste Vorstellungen davon, was ein gutes Porträt auszeichnen sollte. Realismus und physische Ähnlichkeit mit dem Modell gehörten unbedingt dazu. Ein lebendig wirkender Gesichtsausdruck, dem Betrachter zugewandte Körperhaltung und die Aufforderung zu einem Gespräch sind auf vielen ihrer besten Porträts zu finden.

Wenn man der Schau und dem Katalog  irgend etwas vorwerfen kann, dann vielleicht, dass die Ausstellungsmacher es unterlassen haben, die Porträtkunst der Malerin in einen größeren theoretischen Kontext einzuordnen. Portäts der Kolleginnen Angelika Kauffmann und Adelaide Labille Guiard schmückten die Ausstellung zwar, aber direkte Bezüge zu Vigée Le Bruns Werk wurden nicht hergestellt. Eine Gegenüberstellung von Angelika Kauffmanns und Vigée Le Bruns Selbstbildnissen, die sich ja beide in den Florentiner Uffizien befinden, wäre m.E. aber sehr interessant gewesen, weil sich Vigée Le Brun mit ihrem Bildnis auf das Porträt der Konkurrentin antwortet und weil in der Gegenüberstellung die unterschiedlichen künstlerischen Konzepte deutlich werden.

Aber irgend etwas zu meckern gibt es ja immer, sogar bei einer so großartigen Ausstellung wie dieser. Auf jeden Fall kam die Ausstellung beim Publikum sehr gut an. Der Souvenirshop war angefüllt mit Postern, Postkarten und anderen netten Dingen. Sogar ein Parfum "à la rose", benannt nach Vigée Le Bruns Bildnis der Marie Antoinette, gab es zu kaufen. Das war mir allerdings mit über 100 € etwas zu teuer. Ihre Lebenserinnerungen die "Souvenirs" wurden in verschiedenen Versionen angeboten, ebenso wie ein kleiner Band, der einen Überblick über ihr malerisches Werk präsentierte (gekauft!) und sogar Ausmalbücher wurden angeboten. Mitgenommen habe ich dann noch ein winzig kleines Bändchen, in dem Elisabeth über ihre Kunst ein Porträt zu malen, spricht. 

Und falls es bisher noch nicht klar geworden sein sollte: Die Ausstellung im Grand Palais war ein ein großartiger Überblick über das Schaffen von Elisabeth Vigée Le Brun. Für alle, die sie in Paris verpasst haben gibt es noch eine zweite Chance: Ab dem 15. Februar ist die Ausstellung im Metropolitan Museum in New York zu bestaunen.

1 Kommentar 12.1.16 13:36, kommentieren

Der Katalog zur Vigée Le Brun Ausstellung in Paris


Interessiert sich nach den Anschlägen letzte Woche eigentlich noch jemand für die Vigée Le Brun-Ausstellung im Pariser Grand Palais? Der Kontrast zwischen den gausamen Taten, die unser Leben verändert haben und den fröhlichen, wunderschönen und farbenfrohen, eleganten Porträts von Frauen, Kindern und Männern aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert mutet schon sehr eigenartig an.

Dennoch möchte ich in diesem Blog noch einmal auf die großartige Ausstellung hinweisen. Gleich nach dem Ausstellungsstart habe ich mir den Katalog zur Ausstellung besorgt, der gar nicht mal so teuer war, wie man es sonst aus Paris gewohnt ist. Er ist umfangreich, mit vielen klugen Texten und enthält alle in der Ausstellung gezeigte Bilder. Leider nicht mit dabei sind die von mir erhofften Porträts der Lady Hamilton als Ariadne und die ganzfigurige Version der Lady Hamilton als Sibylle. Stattdessen gibt eine Version dieses Bildes als Brustbildnis zu sehen und das bereits häufiger gezeigte Bildnis als Bacchantin aus Liverpool. Abgesehen von dieser - vermutlich nur für mich - kleinen Einschränkung bietet die Schau offenbar so ziemlich alles auf, was irgendwie zu kriegen war: Bilder aus den Pariser Museen und anderen französischen Sammlungen - wie das hier abgebildete Porträt der Baronin Crussol aus Toulouse. Bilder aus dem übrigen Europa, aus den USA und aus Russland und dazu noch selten gezeigte Bildnisse aus Privatbesitz, etwa das Porträt von Marie Antoinette der Familie Hessen bei Rhein und einige mir noch vollkommen unbekannte Bilder sind über zwei Stockwerke verteilt. Ölbilder auf Leinwand und Holz, Pastelle, Kohlezeichnungen sind vertreten und Bilder ihrer Künstlerkollegen, darunter das sensationelle Selbstbildnis von Adelaide Labille Guiard mit ihren Schülerinnen aus dem New Yorker Metropolitan Museum oder Angelika Kauffmanns Selbstbildnis aus den Uffizien in Florenz. Bereits diese beiden Bilder sind eine Reise nach Paris wert.

Und nun sind alle diese wunderbaren Bilder tatsächlich auf einem Fleck versammelt. Man kann sie ganz leicht vergleichen, Bezüge herstellen, Unterschiede suchen, Signaturen und Farbauftrag erforschen und sich an der Meisterschaft und Erfindungskraft der Künstlerin freuen. Für meine Doktorarbeit musste ich viel Zeit darauf verwenden, ihre Bilder in Museen, Sammlungen und Schlössern aufzuspüren. Ich habe die Kostbarkeiten zum Teil unter abenteuerlichen Bedingungen im schlechten Licht, ungünstiger Hängung und im Beisein schlecht gelaunter Aufsichten betrachtet und bin gut unterwegs gewesen, um Abbildungen zu besorgen. Das Porträt der abgebildeten Baronin Crussol habe z.B. ich das erste Mal zufällig auf einer kunstgeschichtlichen Exkursion über mittelalterliche Kirchen im Languedoc gesehen. In Paris ist nun alles ganz einfach - eigentlich.

Die Ausstellung wurde sogar im deutschen Feuilleton besprochen. Die Welt am Sonntag hat ihr einen längeren Artikel gewidmet, der wohl im Großen und Ganzen positiv gemeint ist, auch wenn er die typischen Kritikerklischees im Umgang mit dem weiblichen Kunstschaffen gnadenlos wiederholt. Deutlich wird bei der Lektüre des Artikels vor allem, dass der Autor sich offenbar mit den Bildern und der Malerin nicht wirklich anfreunden konnte. Er bezeichnet Vigée Le Brun als begabte Handwerkerin, der es gelingt Stoffe, Haut und jugendliche Anmut ihrer Modelle wiederzugeben und bezeichnet sie als "schlichte Frau" - Was das wohl sein mag?

Ob er die Ausstellung tatsächlich besucht hat, wird aus dem Text nicht deutlich. Kein Wort zu Aufbau und Konzept, zur Auswahl der Bilder oder zum Katalog. Einige sachliche Fehler lassen darauf schließen, dass er nicht alle Informationen gut recherchiert und manchmal wohl noch nicht einmal genau hingeschaut hat. So verwechselt er das in der Berliner Gemäldegalerie ausgestellte Pastell der Königin Luise von Preussen mit dem in der Schau zu sehenden Ölbildnis der Königin im Besitz der Familie Hohenzollern.

Anyway. Von einer Reise nach Paris sollte man sich aber von der wenig fundierten Kritik ebenso wenig abhalten lassen wie von diversen anderen aktuellen Hindernissen.

2 Kommentare 20.11.15 10:26, kommentieren

Gestern im Museum

Gestern war ich nach längerer Zeit wieder einmal zum Museumsbesuch in Frankfurt. Vorgenommen hatte ich mir das Weltkulturenmuseum am Museumsufer in der Hoffnung, dort etwas zu meinem neuen Projekt über Dinge mit Federn zu finden. Es sollte dort einen indianischen Federumhang geben und sogar Federhauben. Leider stellte sich heraus, dass  Dinge mit Federn dort mitnichten zu bewundern sind.

Ich hatte kaum den Eingangsflur durchquert, da wurde ich schon pampig direkt von der Kasssiererin gefragt: "Englisch oder Deutsch". Das bezog sich wohl auf den Museumsplan oder Führer, den man  mir mit dem Kauf der Eintrittskarte geben wollte. Als ich zu verstehen gab, dass ich mir die ständige Sammlung anschauen wollte, wurde mir erklärt, dass zur Zeit nur eine Sonderausstellung mit Werken eines afrikanischen Künstlers zu sehen sei. Daran hatte ich aber kein Interesse. Darauf bot die Kasssiererin mir eine zwei Tage gültige Museumskarte für das ganze Museumsufer an, die ich aber auch nicht wollte.

Offenbar hatte die Museumsleitung die gesamte Sammlung ins Depot verbannt. Auf der Website des Museums war das aber so nicht vermerkt. Wie schade. Denn Kunstausstellungen gibt es in der Stadt ja schon genügend zu sehen. Ethnolgische Objekte aus exotischen Ländern hingegen kann man nur in einem Völkerkundemuseum anschauen. Zuhause habe ich dann nachgelesen, dass der Museumsleiterin vor einem Monat fristlos gekündigt wurde und eine Freundin hat mir erzählt, dass dies schon die dritte Leitung gewesen ist, die nach kurzer Zeit gehen musste. Offenbar ist die Stadt Frankfurt auch nicht so ganz sicher, wie sie mit diesem Haus umgehen will. 

So war mein Ausflug ans Museumsufer nur kurz. Stattdessen habe ich nach langer Zeit wieder einmal das Historische Museum am Römer besucht. Davon kann ich nur Gutes berichten. Die Kassierer am Eingang waren nett und hilfreich, ebenso die Aufsichten, die mir halfen, mich in dem von aussen so übersichtlich und innen so verwinkelten und labyrinthischen Bau  zurecht zu finden. Sehr freundlich war auch die Aufsicht in der Sonderausstellung mit Arbeiten von Karsen Bott. Bott hatte vor einigen Jahren kennen gelernt als wie gemeinsam in der Galerie der Schader-Stiftung in Darmstadt eine Ausstellung vorbereiteten. Damals hatte ich ihn für den Katalog interviewt und war auch beim Aufbau dabei. Botts Ausstellung im Historischen Museum passt wunderbar zum Konzept des Hauses, in dem es um das Sammeln und die Sammlungen Frankfurter Bürger geht.

So kann man es nämlich auch machen, liebes Weltkulturenmuseum: Wenn man Wechselausstellungen und Bestand zueinander in Beziehung setzt, haben am Ende alle etwas davon!

Gesehen habe ich Raritätenkabinette mit ausgestopften Fischen und Krokodilschädeln, Fayencen, Antiken, Ein Bild eines Raritätenkabinetts von Frans Francken, eine Sammlung mit Gemäldeminiaturen, die Sammlung des Konditormeisters Prehn, dessen berühmtestes Stück, das "Paradiesgärtlein" im Städel zu bewundern ist, Porträts, Bücher und und und... Alles liebevoll eingerichtet und beschriftet - und zwar nicht mit schlichten Schildchen. Die Die wichtigsten Informationen konnte ich in schön gebundenen Büchern nachlesen, die in den Räumen auslagen.

Ach ja und ein Ding mit Federn habe ich auch noch gefunden: Auf dem "Annenalatar" des Meisters von Frankfurt trägt die Heilige Cäcilie eine prächtige Straußenfeder in der Hand.


 

 

12.8.15 12:40, kommentieren

Zurück im Schlossmuseum

Letzte Woche war ich wieder einmal im Darmstädter Schlossmuseum. Dieses Mal, um meine Führung für den kommenden Sonntag vorzubereiten. Geplant habe ich eine Themenführung über Porträts, von denen das Schlossmuseum eine überwältigende Menge zu bieten hat. Viele davon wunderschön und bisher kaum bearbeitet, so dass mir die Auswahl nicht ganz leicht gefallen ist. Konzentrieren werde ich mich vor allem auf Frauen- und Kinderbilder, weil ich mich bei einer einstündigen Führung notwendigerweise beschränken muss und weil ich auf jeden Fall das sensationelle Porträt der von Franz Xaver Winterhalter mit einbauen möchte, dass jetzt wieder im Schloss zu sehen ist.

Die Porträts in der Sammlung stammen überwiegend aus dem Hausrat der Großherzöge von Hessen bei Rhein, die das Schloss lange Zeit bewohnt haben. Später wurden Teile des Schlosses zum Museum umgewidmet und die Räume entsprechend eingerichtet. Obwohl also vieles aus Familienbesitz stammt und Tapeten, Möbel, Kleider, Kunst- und Alltagsgegenstände einen Eindruck vom Leben und Alltag im Hochadel vermitteln, handelt es sich dennoch um eine museale Ausstellung, die grob nach Epochen gegliedert ist. Das obere Stockwerk ist weitgehend dem 19. Jahrhundert gewidmet und der untere dem 18. Jahrhundert.

Im ersten Raum des ersten Stockwerks hängt nun ein Bild der russischen Großfürstin und späteren Zarin Maria Fedorvona, Gemahlin von Paul I.

 Das Bild ist riesig. Die Dargestellte ist überlebensgroß gemalt. Das Bild ist nicht signiert oder datiert und wie bei den meisten im Museum ausgestellten Gegenständen fehlt die Beschriftung. Einen aktuellen Museumsführer gibt es nicht. Eine Kollegin hat mir freundlicherweise einige Unterlagen überlassen, so dass ich nun weiss, dass es sich bei dem Künstler um den Maler Gottlieb Puhlmann (1751-1826) handelt, der das Porträt der Fürstin nach einem Original von Pompeo Batoni gemalt hat. Von Puhlmann hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Offenbar war er zu seiner Zeit aber ein recht bekannter Maler, der sogar Direktor der Preußischen Akademie der Künste in Berlin war. Und er war Schüler des heute noch vor allem in England berühmten Porträtmalers Pompeo Batoni. Batoni lebte in Rom und hatte sich auf Touristen-Porträts spezialisiert. Zahllose Reisende, darunter viele Adelige ließen sich von ihm malen. Auch das russische Großfürstenpaar unternahm die damals in Adelskreisen übliche Italienreise. Sie hielten sich 1781-82 in Italien auf. In dieser Zeit wird Batoni das Bild der Großfürstin gemalt haben, ebenso das Porträt des Großfürsten, dass im Museum direkt neben dem Porträt der Fürstin hängt.

Tatsächlich waren Kopien nach Porträts damals selbstverständlich Sie wurden meist zugleich mit dem originalen Porträt beauftragt. Derart große Ganzfigurenbilder mit Säulen, Vorhängen, die den oder die Dargestellte in Staatsrobe zeigten, sollten die Schlösser der Aufraggeber ebenso schmücken wie Botschaften, Amtsstuben, Rathäuser und andere öffentliche Einrichtungen. Nicht zuletzt dienten sie als Staasgeschenke für befreundete Fürsten, Politiker und für die Verwandtschaft. Auf diese Weise werden auch diese beiden Bilder in den Besitz der Familie gekommen sein.

Die dargestellte gebürtige Prinzessin Sophie Dorothea von Würtemberg war zunächst mit Ludwig von Hessen-Darmstadt verlobt. Auf besonderen Wunsch der Zarin Katharina d.Großen und von König Friedrich d. Großen von Preußen wurde die Verlobung jedoch gelöst. Statt dessesn ehelichte die Prinzessin Katharinas Sohn Paul, dessen erste Frau Wilhelmine Luise von Hessen-Darmstadt (eine Schwester von Ludwig) war. Offenbar arrangierte sich die junge Frau mit der neuen Situation. Es heißt, dass sie in ihren russischen Verlobten sehr verliebt gewesen sein soll. Aber davon erzählt das Porträt nur wenig. Batoni und Puhlmann haben statt dessen ein typisches Staatsporträt im Stil des ausgehenden Rokoko gemalt, das Anleihen bei Francois Bouchers berühmten Porträt der Madame Pompadour macht. Die Büste dr Pallas-Athene und das Schreibzeug sollen die intellektuellen Interessen der Fürstin hervor heben. Vorhang, Säule und Sessel betonen ihren hohen Rang. Das prächtige Kleid, Schmuck, Orden und Perücke verdeutlichen, dass es sich um eine Porträt für öffentliche Räume und politische Zwecke handelt. Insofern ist das Bild in diesem Raum des Schlossmuseums ganz wunderbar untergebracht, zur Seiten ihres Mannes Paul I. und gegenüber der Schwiegermutter Katharina.

8.6.15 13:23, kommentieren

Kunsthistorikertag in Mainz

Es ist April 2015 und ich habe in den letzten Eintrag in diesem Blog vor fast vier Monaten geschrieben! Gewiss gab es genug zu schreiben. Gesehen und gestaunt habe ich über einiges: wunderbare Tribünenplätze für den Kölner Rosenmontagszug bei bestem Wetter, ein Besuch in der Kunsthalle Karlsruhe auf der Suche nach Bildern von Rachel Ruysch, eine Ausstellung mit Michael Triegel in Aschaffenburg, eine Führung mit dem Künstler durch das Haus, einen Vortrag für meinen "alten" Kunstlehrer am Gymnasium, ein erneuter Besuch in Hagenbecks Tropenaquarium und und und.... Ausserdem ist mein kleiner Aufsatz über Rock'n'Roll-Schreine im Februar endlich online gegangen. Die Recherche zu diesem Aufsatz hat im letzten Jahr viel Freude gemacht, ebenso die Beschäftigung mit Michael Triegels religiösen Bildern.

Wie für dieses Thema gemacht, gab es beim diesjährigen Kunsthistorikertag in Mainz nun eine Sektion, die sich mit zeitgenössischer religiöser Kunst beschäftigt hat. Da Meinz ja nicht weit von Darmstadt entfernt ist, habe ich mich für einen Tag auf den Weg zur großen Fachtagung der deutschen Kunsthistoriker gemacht. Während des Studiums und in den ersten Jahren danach habe ich häufiger an der alle zwei Jahren stattfindenden Tagung teilgenommen. Ich fand es immer interessant und inspirierend. Doch dieses Mal wurde ich ziemlich enttäuscht. Vielleicht lag es daran, dass ich jetzt auch schon älter bin und vieles anders einordnen kann als noch zu Studienzeiten. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Universität - auf Distanz betrachtet - ein ziemlich unglamouröser Ort ist. In abgedunkelten Hörsälen mittelgute Vorträge anzuhören ist inzwischen nicht mehr besonders faszinierend. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Tagung, meinem Eindruck nach, nicht besonders gut besucht war und die Sektion, die ich mir ausgesucht habe, war ja noch einmal besonders speziell. So waren mit mir vielleicht noch 30 - 40 Hörer und Hörerinnen anwesend.

Ausgewählt wurden die Vorträge zum Thema "Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten" vom Leiter des Museums Columba in Köln und von einem Mainzer Professor für Kunstgeschichte. Beide haben sich redlich bemüht, möglichst viele Facetten des Themas vorzuführen und zu diskutieren, was in der Kürze der Zeit aber kaum möglich war. Für die Qualität der Vorträge waren sie natürlich nicht in letzter Konsequenz verantwortlich. Aber ich finde es schon sehr bedauerlich, wenn die Vortragenden weder die Materialien nennen aus denen das besprochene Kunstwerk zusammengesetzt ist, noch den Ort, an dem es zu sehen ist. Zeitweise wirkte die Veranstaltung wie ein Gruselkabinett mit selbstbezogenen Diskussionen über Balalitäten und Details. Dennoch war einiges interessant und den Blick geweitet für die Realitäten des kunsthistorischen Betriebs hat der Ausflug natürlich auch.

Was hat mir der Tag in Mainz nun gebracht? Auf jeden Fall ein nettes Gespräch mit einer österreichischen Kunsthistorikerin. Direkte Antworten auf meine Frage wie religiöse Kunst in der Kirche in der Gegenwart funktioniert und ob in der Liturgie Kunst überhaupt noch gebraucht wird, habe ich jedoch nicht bekommen. Eigentlich schade,  aber immerhin haben die Vorträge deutlich werden lassen, dass es sich lohnt über die gegenwärtige religiöse Kunst noch einmal neu nachzudenken. Es lohnt sich genauer zu definieren, was religiöse Kunst eigentlich ist und die Grenzen der Gattung neu zu überdenken. All dies würde vielleicht auch der Beschäftigung mit Michael Triegels Bildern gut tun, mit dessen Altarbildern sich offenbar in dieser Lesart niemand so recht auseinandersetzen mag.

23.4.15 11:33, kommentieren

Schöne Kunst bei der Post

Diese schöne Briefmarke habe ich entdeckt als ich einen Brief auf die Post gebracht habe. Die Briefmarke ist noch ganz frisch und gehört zur Serie "Schätze aus deutschen Museen". Dargestellt ist die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth. Die beiden Frauen umarmen sich herzlich, weil Elisabeth mit Johannes dem Täufer schwanger ist und Maria mit Jesus.

Der Niederländer Rogier van der Weyden hat die Vorlage für die Marke gemalt und seine Schilderung ganz in der damaligen Wirklichkeit des 15. Jahrhunderts verankert. Die Frauen tragen zeitgenössische Kleidung und Frisuren, die sie als junge Frau und ältere verheiratete Frau kennzeichnen. Das Gebäude mit der Kapelle und den hohen Mauern spiegelt die spätgotische Architektur der Zeit wieder. Im Hintergrund ist eine Obstwiese zu erkennen. Davor liegen Fischteiche, in denen vermutlich Karpfen schwimmen. Vielleicht ist mit dem Gebäude ja ein Kloster gemeint. Fischteiche und Obswiesen waren damals jedenfalls wichtige Bestandteile der Klosterwirtschaft.

Leider von der Schrift überdeckt sind die naturgetreu dargestellten Wiesenblumen im Vordergrund. Erdbeeren, Gänseblümchen und Veilchen wären an dieser Stelle zu sehen und ein niedriger aus Zweigen geflochtener Zaun. Der Flechtzaun ist ein weiteres Beispiel für den großen Detailrealismus auf spätmittelalterlichen Bildern. Für Gartenforscherinnen ist er zudem ein  wertvolles Beispiel für das Aussehen von damaligen Zäunen und ihre Verwendung als Wegebegrenzung.

Wo diese Kostbarkeit von Rogier van der Weyden zu bestaunen ist, ist dem kleinen Kunstwerk leider nicht zu entnehmen. Es war aber nicht schwer herauszufinden, dass es im Museum der bildenden Künste in Leipzig gehütet wird.

So bietet die kleine Briefmarke ganz große Kunst für 1,45 € und macht eindeutig Lust auf mehr Kunst aus den Museen im Osten.  

 

 

 

9.12.14 15:18, kommentieren

Künstler und Federn

In der Novemberausgabe der Zeitschrift Art waren einige interessante Artikel zum Thema Künstler und deren Sammlungen zu lesen. Vorgestellt wurde auch der Berliner Maler Jonas Burger, der seit seiner Kindheit Vogelfedern sammelt. Da ich ebenfalls keine Feder liegen lassen kann, war ich neugierig, warum sich ein Künstler mit Federn beschäftigt.

Burgert braucht die Federn nicht für seine Arbeit, sagt er. Er wäre kein fanatischer Sammler der auf Vollständigkeit wert legt oder ein Vogelkundler. Aber die Schönheit der Federn fasziniert ihn bis heute. Er sammelt nur besonders spektakuläre Federn von Papageien, Fasanen, Eulen und großen Greifvögeln. In der Zeitschrift ist er vor einem seiner Bilder mit einer kleinen Auswahl besonders schöner Federn abgebildet.

Einfarbige große, braune und weiße Federn sind dabei, die lange Schwanzfeder eines Fasanenhahns und was mich  ganz besonders begeistert: die große Schwungfeder eines Argusfasans. Seitdem ich einem balzenden Hahn im letzten Jahr im Vogelpark Walsrode begegnet bin, gehört diese Art eindeutig zu meinen Lieblingstieren. Burgert bewundert an den Federn das Muster aus Kugelformen, auf die Lichtpunkte in der Art der Glanzlichter in der Malerei aufgesetzt sind. Die Kreise, Flecken und Punkte auf den Fasanenfedern haben dem Tier ja seinen Namen gegeben. Burgert wundert sich über die vielen Farben und Formen als Geschenk der Natur und fragt sich, warum sich wohl die Natur mit so vielen Formen und Färbungen ausstattet. Die gleiche Frage hat sich bereits Charles Darwin vor weit über hundert Jahren bei der Betrachtung der Federn des Argusfasans gestellt.

Fasziniert von vom Argusfasan, habe ich mich selber auf die Suche nach seinen Federn  geamacht und weiß jetzt, dass der Argusfasan in seiner Heimat deswegen stark bejagt wird. Die malayischen Ureinwohner fertigen aus seinen Federn einen zeremoniellen Kopfschmuck an. Fliegenfischer binden aus den Federn Köder für ihre Angelruten. Federn haben in vielen Kulturen religiöse Bedeutung oder werden als Schmuckstücke gehandelt. Adlerfedern, Federn des Doppelhornvogels, Paradiesvogelfedern... Kein Wunder, dass sich auch Künstler dafür begeistern können. Die Federn des Argusfasans werden nicht häufig angeboten und sind entsprechend teuer, obwohl sie in privater Haltung und in Zoos gar nicht so selten sind.

In Museen sind prächtig balzende Argusfasane häufiger zu sehen. So etwa im Frankfurter Senckenbermuseum, das mit mit einem balzenden Argusfasan auf einem Plakat an der U-Bahnstation Bockenheimer Warte wirbt. Auch das HLMD besitzt ein Präparat des schönen Vogels. Zu sehen ist es im Indiendiorama in der zoologischen Abteilung. Er teilt sich das Diorama mit anderen Arten des indischen Subkontinents, der angrenzenden Länder Vietnam, Tibet, Malaysia oder indonesien. Der Darmstädter Argusfasan steht leider etwas versteckt in der zweiten Reihe links neben dem Orang Utan am rechtenDioramenrand. Auf dem Bild schaut sein linker Flügel hinter dem Orang Utan hervor.

 In meinen Führungen weise ich das Publikum gerne auf den Argusfasan und seine prächtigen Federn hin, zumal die meisten besucher von diesem Tier noch nie etwas gehört haben. Angeregt von Burgerts Sammlung habe ich mir im Internet jetzt zu einem ziemlich hohen Preis eine Schwanzfeder des Fasans bestellt. ich werde sie zu den Führungen mitnehmen, um den Besuchern so noch etwas mehr über dieses besondere Tier erzählen zu können.

28.11.14 15:57, kommentieren