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Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

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Künstler und Federn

In der Novemberausgabe der Zeitschrift Art waren einige interessante Artikel zum Thema Künstler und deren Sammlungen zu lesen. Vorgestellt wurde auch der Berliner Maler Jonas Burger, der seit seiner Kindheit Vogelfedern sammelt. Da ich ebenfalls keine Feder liegen lassen kann, war ich neugierig, warum sich ein Künstler mit Federn beschäftigt.

Burgert braucht die Federn nicht für seine Arbeit, sagt er. Er wäre kein fanatischer Sammler der auf Vollständigkeit wert legt oder ein Vogelkundler. Aber die Schönheit der Federn fasziniert ihn bis heute. Er sammelt nur besonders spektakuläre Federn von Papageien, Fasanen, Eulen und großen Greifvögeln. In der Zeitschrift ist er vor einem seiner Bilder mit einer kleinen Auswahl besonders schöner Federn abgebildet.

Einfarbige große, braune und weiße Federn sind dabei, die lange Schwanzfeder eines Fasanenhahns und was mich  ganz besonders begeistert: die große Schwungfeder eines Argusfasans. Seitdem ich einem balzenden Hahn im letzten Jahr im Vogelpark Walsrode begegnet bin, gehört diese Art eindeutig zu meinen Lieblingstieren. Burgert bewundert an den Federn das Muster aus Kugelformen, auf die Lichtpunkte in der Art der Glanzlichter in der Malerei aufgesetzt sind. Die Kreise, Flecken und Punkte auf den Fasanenfedern haben dem Tier ja seinen Namen gegeben. Burgert wundert sich über die vielen Farben und Formen als Geschenk der Natur und fragt sich, warum sich wohl die Natur mit so vielen Formen und Färbungen ausstattet. Die gleiche Frage hat sich bereits Charles Darwin vor weit über hundert Jahren bei der Betrachtung der Federn des Argusfasans gestellt.

Fasziniert von vom Argusfasan, habe ich mich selber auf die Suche nach seinen Federn  geamacht und weiß jetzt, dass der Argusfasan in seiner Heimat deswegen stark bejagt wird. Die malayischen Ureinwohner fertigen aus seinen Federn einen zeremoniellen Kopfschmuck an. Fliegenfischer binden aus den Federn Köder für ihre Angelruten. Federn haben in vielen Kulturen religiöse Bedeutung oder werden als Schmuckstücke gehandelt. Adlerfedern, Federn des Doppelhornvogels, Paradiesvogelfedern... Kein Wunder, dass sich auch Künstler dafür begeistern können. Die Federn des Argusfasans werden nicht häufig angeboten und sind entsprechend teuer, obwohl sie in privater Haltung und in Zoos gar nicht so selten sind.

In Museen sind prächtig balzende Argusfasane häufiger zu sehen. So etwa im Frankfurter Senckenbermuseum, das mit mit einem balzenden Argusfasan auf einem Plakat an der U-Bahnstation Bockenheimer Warte wirbt. Auch das HLMD besitzt ein Präparat des schönen Vogels. Zu sehen ist es im Indiendiorama in der zoologischen Abteilung. Er teilt sich das Diorama mit anderen Arten des indischen Subkontinents, der angrenzenden Länder Vietnam, Tibet, Malaysia oder indonesien. Der Darmstädter Argusfasan steht leider etwas versteckt in der zweiten Reihe links neben dem Orang Utan am rechtenDioramenrand. Auf dem Bild schaut sein linker Flügel hinter dem Orang Utan hervor.

 In meinen Führungen weise ich das Publikum gerne auf den Argusfasan und seine prächtigen Federn hin, zumal die meisten besucher von diesem Tier noch nie etwas gehört haben. Angeregt von Burgerts Sammlung habe ich mir im Internet jetzt zu einem ziemlich hohen Preis eine Schwanzfeder des Fasans bestellt. ich werde sie zu den Führungen mitnehmen, um den Besuchern so noch etwas mehr über dieses besondere Tier erzählen zu können.

28.11.14 15:57

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