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Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

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Kunsthistorikertag in Mainz

Es ist April 2015 und ich habe in den letzten Eintrag in diesem Blog vor fast vier Monaten geschrieben! Gewiss gab es genug zu schreiben. Gesehen und gestaunt habe ich über einiges: wunderbare Tribünenplätze für den Kölner Rosenmontagszug bei bestem Wetter, ein Besuch in der Kunsthalle Karlsruhe auf der Suche nach Bildern von Rachel Ruysch, eine Ausstellung mit Michael Triegel in Aschaffenburg, eine Führung mit dem Künstler durch das Haus, einen Vortrag für meinen "alten" Kunstlehrer am Gymnasium, ein erneuter Besuch in Hagenbecks Tropenaquarium und und und.... Ausserdem ist mein kleiner Aufsatz über Rock'n'Roll-Schreine im Februar endlich online gegangen. Die Recherche zu diesem Aufsatz hat im letzten Jahr viel Freude gemacht, ebenso die Beschäftigung mit Michael Triegels religiösen Bildern.

Wie für dieses Thema gemacht, gab es beim diesjährigen Kunsthistorikertag in Mainz nun eine Sektion, die sich mit zeitgenössischer religiöser Kunst beschäftigt hat. Da Meinz ja nicht weit von Darmstadt entfernt ist, habe ich mich für einen Tag auf den Weg zur großen Fachtagung der deutschen Kunsthistoriker gemacht. Während des Studiums und in den ersten Jahren danach habe ich häufiger an der alle zwei Jahren stattfindenden Tagung teilgenommen. Ich fand es immer interessant und inspirierend. Doch dieses Mal wurde ich ziemlich enttäuscht. Vielleicht lag es daran, dass ich jetzt auch schon älter bin und vieles anders einordnen kann als noch zu Studienzeiten. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Universität - auf Distanz betrachtet - ein ziemlich unglamouröser Ort ist. In abgedunkelten Hörsälen mittelgute Vorträge anzuhören ist inzwischen nicht mehr besonders faszinierend. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Tagung, meinem Eindruck nach, nicht besonders gut besucht war und die Sektion, die ich mir ausgesucht habe, war ja noch einmal besonders speziell. So waren mit mir vielleicht noch 30 - 40 Hörer und Hörerinnen anwesend.

Ausgewählt wurden die Vorträge zum Thema "Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten" vom Leiter des Museums Columba in Köln und von einem Mainzer Professor für Kunstgeschichte. Beide haben sich redlich bemüht, möglichst viele Facetten des Themas vorzuführen und zu diskutieren, was in der Kürze der Zeit aber kaum möglich war. Für die Qualität der Vorträge waren sie natürlich nicht in letzter Konsequenz verantwortlich. Aber ich finde es schon sehr bedauerlich, wenn die Vortragenden weder die Materialien nennen aus denen das besprochene Kunstwerk zusammengesetzt ist, noch den Ort, an dem es zu sehen ist. Zeitweise wirkte die Veranstaltung wie ein Gruselkabinett mit selbstbezogenen Diskussionen über Balalitäten und Details. Dennoch war einiges interessant und den Blick geweitet für die Realitäten des kunsthistorischen Betriebs hat der Ausflug natürlich auch.

Was hat mir der Tag in Mainz nun gebracht? Auf jeden Fall ein nettes Gespräch mit einer österreichischen Kunsthistorikerin. Direkte Antworten auf meine Frage wie religiöse Kunst in der Kirche in der Gegenwart funktioniert und ob in der Liturgie Kunst überhaupt noch gebraucht wird, habe ich jedoch nicht bekommen. Eigentlich schade,  aber immerhin haben die Vorträge deutlich werden lassen, dass es sich lohnt über die gegenwärtige religiöse Kunst noch einmal neu nachzudenken. Es lohnt sich genauer zu definieren, was religiöse Kunst eigentlich ist und die Grenzen der Gattung neu zu überdenken. All dies würde vielleicht auch der Beschäftigung mit Michael Triegels Bildern gut tun, mit dessen Altarbildern sich offenbar in dieser Lesart niemand so recht auseinandersetzen mag.

23.4.15 11:33

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