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Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

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Zurück im Schlossmuseum

Letzte Woche war ich wieder einmal im Darmstädter Schlossmuseum. Dieses Mal, um meine Führung für den kommenden Sonntag vorzubereiten. Geplant habe ich eine Themenführung über Porträts, von denen das Schlossmuseum eine überwältigende Menge zu bieten hat. Viele davon wunderschön und bisher kaum bearbeitet, so dass mir die Auswahl nicht ganz leicht gefallen ist. Konzentrieren werde ich mich vor allem auf Frauen- und Kinderbilder, weil ich mich bei einer einstündigen Führung notwendigerweise beschränken muss und weil ich auf jeden Fall das sensationelle Porträt der von Franz Xaver Winterhalter mit einbauen möchte, dass jetzt wieder im Schloss zu sehen ist.

Die Porträts in der Sammlung stammen überwiegend aus dem Hausrat der Großherzöge von Hessen bei Rhein, die das Schloss lange Zeit bewohnt haben. Später wurden Teile des Schlosses zum Museum umgewidmet und die Räume entsprechend eingerichtet. Obwohl also vieles aus Familienbesitz stammt und Tapeten, Möbel, Kleider, Kunst- und Alltagsgegenstände einen Eindruck vom Leben und Alltag im Hochadel vermitteln, handelt es sich dennoch um eine museale Ausstellung, die grob nach Epochen gegliedert ist. Das obere Stockwerk ist weitgehend dem 19. Jahrhundert gewidmet und der untere dem 18. Jahrhundert.

Im ersten Raum des ersten Stockwerks hängt nun ein Bild der russischen Großfürstin und späteren Zarin Maria Fedorvona, Gemahlin von Paul I.

 Das Bild ist riesig. Die Dargestellte ist überlebensgroß gemalt. Das Bild ist nicht signiert oder datiert und wie bei den meisten im Museum ausgestellten Gegenständen fehlt die Beschriftung. Einen aktuellen Museumsführer gibt es nicht. Eine Kollegin hat mir freundlicherweise einige Unterlagen überlassen, so dass ich nun weiss, dass es sich bei dem Künstler um den Maler Gottlieb Puhlmann (1751-1826) handelt, der das Porträt der Fürstin nach einem Original von Pompeo Batoni gemalt hat. Von Puhlmann hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Offenbar war er zu seiner Zeit aber ein recht bekannter Maler, der sogar Direktor der Preußischen Akademie der Künste in Berlin war. Und er war Schüler des heute noch vor allem in England berühmten Porträtmalers Pompeo Batoni. Batoni lebte in Rom und hatte sich auf Touristen-Porträts spezialisiert. Zahllose Reisende, darunter viele Adelige ließen sich von ihm malen. Auch das russische Großfürstenpaar unternahm die damals in Adelskreisen übliche Italienreise. Sie hielten sich 1781-82 in Italien auf. In dieser Zeit wird Batoni das Bild der Großfürstin gemalt haben, ebenso das Porträt des Großfürsten, dass im Museum direkt neben dem Porträt der Fürstin hängt.

Tatsächlich waren Kopien nach Porträts damals selbstverständlich Sie wurden meist zugleich mit dem originalen Porträt beauftragt. Derart große Ganzfigurenbilder mit Säulen, Vorhängen, die den oder die Dargestellte in Staatsrobe zeigten, sollten die Schlösser der Aufraggeber ebenso schmücken wie Botschaften, Amtsstuben, Rathäuser und andere öffentliche Einrichtungen. Nicht zuletzt dienten sie als Staasgeschenke für befreundete Fürsten, Politiker und für die Verwandtschaft. Auf diese Weise werden auch diese beiden Bilder in den Besitz der Familie gekommen sein.

Die dargestellte gebürtige Prinzessin Sophie Dorothea von Würtemberg war zunächst mit Ludwig von Hessen-Darmstadt verlobt. Auf besonderen Wunsch der Zarin Katharina d.Großen und von König Friedrich d. Großen von Preußen wurde die Verlobung jedoch gelöst. Statt dessesn ehelichte die Prinzessin Katharinas Sohn Paul, dessen erste Frau Wilhelmine Luise von Hessen-Darmstadt (eine Schwester von Ludwig) war. Offenbar arrangierte sich die junge Frau mit der neuen Situation. Es heißt, dass sie in ihren russischen Verlobten sehr verliebt gewesen sein soll. Aber davon erzählt das Porträt nur wenig. Batoni und Puhlmann haben statt dessen ein typisches Staatsporträt im Stil des ausgehenden Rokoko gemalt, das Anleihen bei Francois Bouchers berühmten Porträt der Madame Pompadour macht. Die Büste dr Pallas-Athene und das Schreibzeug sollen die intellektuellen Interessen der Fürstin hervor heben. Vorhang, Säule und Sessel betonen ihren hohen Rang. Das prächtige Kleid, Schmuck, Orden und Perücke verdeutlichen, dass es sich um eine Porträt für öffentliche Räume und politische Zwecke handelt. Insofern ist das Bild in diesem Raum des Schlossmuseums ganz wunderbar untergebracht, zur Seiten ihres Mannes Paul I. und gegenüber der Schwiegermutter Katharina.

8.6.15 13:23

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