kunstlupe

Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

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Gestern im Museum

Gestern war ich nach längerer Zeit wieder einmal zum Museumsbesuch in Frankfurt. Vorgenommen hatte ich mir das Weltkulturenmuseum am Museumsufer in der Hoffnung, dort etwas zu meinem neuen Projekt über Dinge mit Federn zu finden. Es sollte dort einen indianischen Federumhang geben und sogar Federhauben. Leider stellte sich heraus, dass  Dinge mit Federn dort mitnichten zu bewundern sind.

Ich hatte kaum den Eingangsflur durchquert, da wurde ich schon pampig direkt von der Kasssiererin gefragt: "Englisch oder Deutsch". Das bezog sich wohl auf den Museumsplan oder Führer, den man  mir mit dem Kauf der Eintrittskarte geben wollte. Als ich zu verstehen gab, dass ich mir die ständige Sammlung anschauen wollte, wurde mir erklärt, dass zur Zeit nur eine Sonderausstellung mit Werken eines afrikanischen Künstlers zu sehen sei. Daran hatte ich aber kein Interesse. Darauf bot die Kasssiererin mir eine zwei Tage gültige Museumskarte für das ganze Museumsufer an, die ich aber auch nicht wollte.

Offenbar hatte die Museumsleitung die gesamte Sammlung ins Depot verbannt. Auf der Website des Museums war das aber so nicht vermerkt. Wie schade. Denn Kunstausstellungen gibt es in der Stadt ja schon genügend zu sehen. Ethnolgische Objekte aus exotischen Ländern hingegen kann man nur in einem Völkerkundemuseum anschauen. Zuhause habe ich dann nachgelesen, dass der Museumsleiterin vor einem Monat fristlos gekündigt wurde und eine Freundin hat mir erzählt, dass dies schon die dritte Leitung gewesen ist, die nach kurzer Zeit gehen musste. Offenbar ist die Stadt Frankfurt auch nicht so ganz sicher, wie sie mit diesem Haus umgehen will. 

So war mein Ausflug ans Museumsufer nur kurz. Stattdessen habe ich nach langer Zeit wieder einmal das Historische Museum am Römer besucht. Davon kann ich nur Gutes berichten. Die Kassierer am Eingang waren nett und hilfreich, ebenso die Aufsichten, die mir halfen, mich in dem von aussen so übersichtlich und innen so verwinkelten und labyrinthischen Bau  zurecht zu finden. Sehr freundlich war auch die Aufsicht in der Sonderausstellung mit Arbeiten von Karsen Bott. Bott hatte vor einigen Jahren kennen gelernt als wie gemeinsam in der Galerie der Schader-Stiftung in Darmstadt eine Ausstellung vorbereiteten. Damals hatte ich ihn für den Katalog interviewt und war auch beim Aufbau dabei. Botts Ausstellung im Historischen Museum passt wunderbar zum Konzept des Hauses, in dem es um das Sammeln und die Sammlungen Frankfurter Bürger geht.

So kann man es nämlich auch machen, liebes Weltkulturenmuseum: Wenn man Wechselausstellungen und Bestand zueinander in Beziehung setzt, haben am Ende alle etwas davon!

Gesehen habe ich Raritätenkabinette mit ausgestopften Fischen und Krokodilschädeln, Fayencen, Antiken, Ein Bild eines Raritätenkabinetts von Frans Francken, eine Sammlung mit Gemäldeminiaturen, die Sammlung des Konditormeisters Prehn, dessen berühmtestes Stück, das "Paradiesgärtlein" im Städel zu bewundern ist, Porträts, Bücher und und und... Alles liebevoll eingerichtet und beschriftet - und zwar nicht mit schlichten Schildchen. Die Die wichtigsten Informationen konnte ich in schön gebundenen Büchern nachlesen, die in den Räumen auslagen.

Ach ja und ein Ding mit Federn habe ich auch noch gefunden: Auf dem "Annenalatar" des Meisters von Frankfurt trägt die Heilige Cäcilie eine prächtige Straußenfeder in der Hand.


 

 

12.8.15 12:40

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