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Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

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Der Katalog zur Vigée Le Brun Ausstellung in Paris


Interessiert sich nach den Anschlägen letzte Woche eigentlich noch jemand für die Vigée Le Brun-Ausstellung im Pariser Grand Palais? Der Kontrast zwischen den gausamen Taten, die unser Leben verändert haben und den fröhlichen, wunderschönen und farbenfrohen, eleganten Porträts von Frauen, Kindern und Männern aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert mutet schon sehr eigenartig an.

Dennoch möchte ich in diesem Blog noch einmal auf die großartige Ausstellung hinweisen. Gleich nach dem Ausstellungsstart habe ich mir den Katalog zur Ausstellung besorgt, der gar nicht mal so teuer war, wie man es sonst aus Paris gewohnt ist. Er ist umfangreich, mit vielen klugen Texten und enthält alle in der Ausstellung gezeigte Bilder. Leider nicht mit dabei sind die von mir erhofften Porträts der Lady Hamilton als Ariadne und die ganzfigurige Version der Lady Hamilton als Sibylle. Stattdessen gibt eine Version dieses Bildes als Brustbildnis zu sehen und das bereits häufiger gezeigte Bildnis als Bacchantin aus Liverpool. Abgesehen von dieser - vermutlich nur für mich - kleinen Einschränkung bietet die Schau offenbar so ziemlich alles auf, was irgendwie zu kriegen war: Bilder aus den Pariser Museen und anderen französischen Sammlungen - wie das hier abgebildete Porträt der Baronin Crussol aus Toulouse. Bilder aus dem übrigen Europa, aus den USA und aus Russland und dazu noch selten gezeigte Bildnisse aus Privatbesitz, etwa das Porträt von Marie Antoinette der Familie Hessen bei Rhein und einige mir noch vollkommen unbekannte Bilder sind über zwei Stockwerke verteilt. Ölbilder auf Leinwand und Holz, Pastelle, Kohlezeichnungen sind vertreten und Bilder ihrer Künstlerkollegen, darunter das sensationelle Selbstbildnis von Adelaide Labille Guiard mit ihren Schülerinnen aus dem New Yorker Metropolitan Museum oder Angelika Kauffmanns Selbstbildnis aus den Uffizien in Florenz. Bereits diese beiden Bilder sind eine Reise nach Paris wert.

Und nun sind alle diese wunderbaren Bilder tatsächlich auf einem Fleck versammelt. Man kann sie ganz leicht vergleichen, Bezüge herstellen, Unterschiede suchen, Signaturen und Farbauftrag erforschen und sich an der Meisterschaft und Erfindungskraft der Künstlerin freuen. Für meine Doktorarbeit musste ich viel Zeit darauf verwenden, ihre Bilder in Museen, Sammlungen und Schlössern aufzuspüren. Ich habe die Kostbarkeiten zum Teil unter abenteuerlichen Bedingungen im schlechten Licht, ungünstiger Hängung und im Beisein schlecht gelaunter Aufsichten betrachtet und bin gut unterwegs gewesen, um Abbildungen zu besorgen. Das Porträt der abgebildeten Baronin Crussol habe z.B. ich das erste Mal zufällig auf einer kunstgeschichtlichen Exkursion über mittelalterliche Kirchen im Languedoc gesehen. In Paris ist nun alles ganz einfach - eigentlich.

Die Ausstellung wurde sogar im deutschen Feuilleton besprochen. Die Welt am Sonntag hat ihr einen längeren Artikel gewidmet, der wohl im Großen und Ganzen positiv gemeint ist, auch wenn er die typischen Kritikerklischees im Umgang mit dem weiblichen Kunstschaffen gnadenlos wiederholt. Deutlich wird bei der Lektüre des Artikels vor allem, dass der Autor sich offenbar mit den Bildern und der Malerin nicht wirklich anfreunden konnte. Er bezeichnet Vigée Le Brun als begabte Handwerkerin, der es gelingt Stoffe, Haut und jugendliche Anmut ihrer Modelle wiederzugeben und bezeichnet sie als "schlichte Frau" - Was das wohl sein mag?

Ob er die Ausstellung tatsächlich besucht hat, wird aus dem Text nicht deutlich. Kein Wort zu Aufbau und Konzept, zur Auswahl der Bilder oder zum Katalog. Einige sachliche Fehler lassen darauf schließen, dass er nicht alle Informationen gut recherchiert und manchmal wohl noch nicht einmal genau hingeschaut hat. So verwechselt er das in der Berliner Gemäldegalerie ausgestellte Pastell der Königin Luise von Preussen mit dem in der Schau zu sehenden Ölbildnis der Königin im Besitz der Familie Hohenzollern.

Anyway. Von einer Reise nach Paris sollte man sich aber von der wenig fundierten Kritik ebenso wenig abhalten lassen wie von diversen anderen aktuellen Hindernissen.

20.11.15 10:26

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


j.Loefke (9.2.16 12:09)
wo kann ich den Katalog kaufen?
Danke
Juergen Loefke


(9.2.16 13:46)
Den Katalog gibts bei Amazon.

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