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Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

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Vigée Le Brun im Grand Palais

Nachdem ich in zwei Blogeinträgen hintereinander so sehr von Elisabeth Vigée Le Brun, ihrem Werk und der Ausstellung in Paris geschwärmt hatte, bin ich Mitte Dezember für ein paar Tage nach Paris gefahren, um mir die Ausstellung selber anzuschauen.

Unter dem Eindruck der Anschläge vom November war Paris tatsächlich nicht die Stadt, die ich von vorherigen Besuchen kannte. Trotz der Vorweihnachtszeit erschien sie weniger überfüllt. Tatsächlich hieß es, es wären bis zu 30 % weniger Touristen in der Stadt gewesen. Vor allem deutsche Stimmen habe ich weniger gehört. Asiaten und Amerikaner haben sich offenbar von den Terroristen weniger abschrecken lassen. Einen Vorteil hatte die vermeintliche Bedrohung dennoch: Die Museen waren weniger überfüllt, vor dem Louvre etwa gab es überhaupt keine Schlange! Nachdem Freunde mir noch geraten hatten, die Eintrittskarten für die Vigée Le Brun-Ausstellung über das Internet zu buchen, um längere Wartereien zu vermeiden, konnte ich jedoch auch am Eingang des Grand Palais keine Warteschlangen entdecken. Dennoch war es in der Ausstellung immer noch voll genug. Besonders zu Beginn drängelten sich die Besucher mit den unvermeidlichen Audioguides vor den Selbstbildnissen. Weiter hinten löste sich das Gedränge aber zusehends auf.

Und natürlich war es eine großartige Ausstellung. Der Katalog hatte mich ja bereits auf die Bilder eingestimmt. All die Porträts auf einem Fleck versammelt zu sehen, war dennoch eine beeindruckende Erfahrung. Die Ausstellung reichte über zwei Stockwerke und war grob chronologisch und thematisch gegliedert. Am Anfang waren ihre Selbstporträts zu sehen, es folgten die frühen Jahre und erste Erfolge, Marie Antoinette war ein eigener Raum gewidmet, ebenso den anderen Pariser Malerinnen und den Kinderbildnissen. Italien, Deutschland und Österreich, Russland waren die Stationen im Exil. Die Rückkehr nach Frankreich, Reisen nach England und in die Schweiz bildeten den Schluss dieser an seltenen und zum Teil vollkommen unbekannten Bildern so reichen Schau.

Noch nie im Originial gesehen hatte ich etwa ihre kleinformatigen Landschaften in Pastell, die teilweise an die Landschaften der deutschen Romantiker erinnerten, auch einige Porträts aus Privatbesitz wie etwa das schöne Porträt des Grafen von Andlau kannte ich bisher noch nicht. Ebenso hatte ich das entzückende Porträt ihrer Tochter (Abbildung) mit dem Spiegel bisher nur auf Abbildungen gesehen.

Bildnisse der Königin Luise von Preussen und der Prinzessin Radziwill im Besitz der Hohenzollern, Marie Antoinettes Portät aus den Sammlungen des Prinzen von Hessen bei Rhein, ein Bildnis von Madame Dubarry oder das Brustibldnis der Lady Hamilton als Ariadne waren weitere selten ausgestellte Kostbarkeiten. Aber auch die bekannteren Bilder aus den USA, dem Louvre oder aus der Eremitage erhielten durch die geschickte Platzierung neue Bedeutungen. Die Bilder hingen dicht an dicht an farbigen Wänden, was den Bildern gut bekam und ihre Leuchtkraft sogar noch hervorhob. Erst in dieser Ausstellung ist mir klar geworden, dass die Malerin ihre Modelle immer - soweit wie möglich - in Lebensgröße dargestellt hat. Nur in wenigen Fällen, wie etwa bei dem riesigen Porträt von Marie Antoinette mit ihren Kindern, ist sie davon abgewichen. Vigée Le Brun hatte ja feste Vorstellungen davon, was ein gutes Porträt auszeichnen sollte. Realismus und physische Ähnlichkeit mit dem Modell gehörten unbedingt dazu. Ein lebendig wirkender Gesichtsausdruck, dem Betrachter zugewandte Körperhaltung und die Aufforderung zu einem Gespräch sind auf vielen ihrer besten Porträts zu finden.

Wenn man der Schau und dem Katalog  irgend etwas vorwerfen kann, dann vielleicht, dass die Ausstellungsmacher es unterlassen haben, die Porträtkunst der Malerin in einen größeren theoretischen Kontext einzuordnen. Portäts der Kolleginnen Angelika Kauffmann und Adelaide Labille Guiard schmückten die Ausstellung zwar, aber direkte Bezüge zu Vigée Le Bruns Werk wurden nicht hergestellt. Eine Gegenüberstellung von Angelika Kauffmanns und Vigée Le Bruns Selbstbildnissen, die sich ja beide in den Florentiner Uffizien befinden, wäre m.E. aber sehr interessant gewesen, weil sich Vigée Le Brun mit ihrem Bildnis auf das Porträt der Konkurrentin antwortet und weil in der Gegenüberstellung die unterschiedlichen künstlerischen Konzepte deutlich werden.

Aber irgend etwas zu meckern gibt es ja immer, sogar bei einer so großartigen Ausstellung wie dieser. Auf jeden Fall kam die Ausstellung beim Publikum sehr gut an. Der Souvenirshop war angefüllt mit Postern, Postkarten und anderen netten Dingen. Sogar ein Parfum "à la rose", benannt nach Vigée Le Bruns Bildnis der Marie Antoinette, gab es zu kaufen. Das war mir allerdings mit über 100 € etwas zu teuer. Ihre Lebenserinnerungen die "Souvenirs" wurden in verschiedenen Versionen angeboten, ebenso wie ein kleiner Band, der einen Überblick über ihr malerisches Werk präsentierte (gekauft!) und sogar Ausmalbücher wurden angeboten. Mitgenommen habe ich dann noch ein winzig kleines Bändchen, in dem Elisabeth über ihre Kunst ein Porträt zu malen, spricht. 

Und falls es bisher noch nicht klar geworden sein sollte: Die Ausstellung im Grand Palais war ein ein großartiger Überblick über das Schaffen von Elisabeth Vigée Le Brun. Für alle, die sie in Paris verpasst haben gibt es noch eine zweite Chance: Ab dem 15. Februar ist die Ausstellung im Metropolitan Museum in New York zu bestaunen.

12.1.16 13:36

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