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Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

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Artemisia Gentileschi im Städel

Aus dem Museo di Capodimonte in Neapel stammt dieses Bild mit der Darstellung der blutigen Ermordung des Feldherren Holofernes durch die mutige Judith und ihre Dienerin. Das weltberühmte Bild gehört zu den Schätzen der Ausstellung "Meisterwerke im Dialog", die noch bis zum 24.1. im Frankfurter Städel zu sehen ist.

Auch wenn ich mich im letzten Eintrag  darüber geärgert habe, dass das Ausstellungskonzept nicht wirklich stimmig ist und das mich als Betrachterin ziemlich alleine gelassen hat mit einer Überfülle an Geschichten, so ist Artemisia Gentileschis Bild dennoch ein echter Hingucker, den man so schnell nicht wieder zu sehen bekommt und ein Werk, das man der sehr drastischen Darstellung wegen wohl auch so schnell nicht wieder vergisst. In Kreisen der feministischen Kunsthistorikerinnen gilt die italienische Barockmalerin als eine der wenigen Künstlerinnen, die im Historienfach erfolgreich war und deren Bilder den Werken der männlichen Kollegen tatsächlich konkurrieren konnten.

Dass es ein großartiges Bild ist, das den Vergleich mit anderen (männlichen) Meistern aushält, wird auch bei der Hängung im Städel deutlich, wo man es dem riesigen Rembrandt-Bild von der Blendung des Simsons gegenübergestellt hat. Die Darstellung einer gewalttätigen Szene aus dem alten Testament in der Frauen die entscheidene Rolle spielen, dramatisches, den Bildern Caravaggios entlehntes Helldunkel, verbinden die Bilder miteinander. Aber reicht das auch für eine gelungene Gegenüberstellung? Ich finde: es funktioniert nicht. Mich erinnert diese Konfrontation vielmehr an die vielgübte Praxis im Kunstgeschichtsstudium, Bilder zu vergleichen, um Unterschiede und besonderheiten der Bildsprache herauszuarbeiten.

Im Museum wirkt ein derartiger Vergleich jedoch recht akademisch und trocken. Über die allgmeinen formalen Beziehungen hinaus, verbindet die beiden Bilder keine gemeinsame Geschichte. Rembrandt kannte Artemisia Gentileschi und ihr Bild übrhaupt nicht. Seine Bildidee entwickelte er aus anderen Vorbildern. Artemisia hingegen - so wird kolportiert - soll ihr Bild gemalt haben, um die Erinnerung an eine Vergewaltigung zu bewältigen (da stelle ich mir als schlaumeierische Kunstihistorikerin doch die Frage, welches traumatische Erlebnis Rembrandt wohl mit seinem Bild aufgearbeitet hat).

In Abbildungen oder im Seminar kaum eine Rolle, weil ja nicht erfahrbar, spielt hingegen die die tatsächliche Größe der Bilder, die zur Wirkung und Bedeutung der Werke im Ausstellungsraum aber maßgeblich beiträgt. Gegen Rembrandts riesiges 205 x 272 cm messendes Bild mit den zahlreichen ganzfigurigen Darstellungen wirkt Gentileschis Arbeit mit 159 x 125 cm und gerade einmal drei Halbfiguren klein und bescheiden, wozu auch der sehr schmale moderne Rahmen beiträgt, der das Bild von der weiten Wandfläche und Rembrandts Bild nur unzureichend trennt.

Gegen Rembrandts Bild hat Gentileschis Ermordung des Holofernes trotz schöner Frauen, leuchtender Farben, Blut, und dramatischer Lichtgestaltung optisch kaum eine Chance. Im Museum kommt es eben doch auf die Größe an.

 

20.1.16 10:51

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