kunstlupe

Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

Meta





 

Federfächer in Paris und anderswo

Während meines Paris-Besuchs im letzten Dezember habe ich die Gunst der Stunde genutzt, um mir neben der sensationellen Vigée Le Brun-Ausstellung auch noch einige Sachen anzuschauen. Louvre und Sainte Chapelle waren der Attentate wegen weniger überfüllt, der Teeraum der großen Moschée war so gut wie leer.

Die größte Entdeckung war für mich jedoch das kaum bekannte Musée de L'Eventail Anne Hoguet auf dem Boulevard de Strasbourg. Den Hinweis auf das versteckte Kleinod hatte ich von einer Freundin bekommen, die wußte, das ich mich für Fächer interessiere. Das Musée de L'Eventail befindet sich in der dritten Etage eines typischen französischen Mehrparteienwohnhauses aus dem 19. Jahrhundert. Eigentlich handelt es sich nicht so sehr um ein Museum als um eine Werkstatt, in der immer noch Fächer hergestellt werden und in deren Räumen man sich umsehen darf. In der kleinen angeschlossenen Schausammlung wird anhand von Beispielen erklärt, wie Fächer gemacht wurden. Erst hier ist mir wirklich klar geworden, dass die Stäbe, die das Fächerblatt halten, zur Beurteilung des Fächers fast noch wichtiger sind als das Fächerblatt selbst. Unendlich viel Mühe haben die Fächermacher darauf verwendet, die Stäbe aus tropischem Holz, Perlmutt, Knochen (Bein), Elfenbein, Schildpatt und später aus Bakelit und Zelluloid in Form zu schnitzen, zu bemalen oder mit Blattgold zu verzieren, Initialen, Wappen  der Hersteller und Besitzer darauf anzubringen.

Aufgesucht hatte ich das Museum ursprünglich, um nach Fächern mit Federn zu suchen, die mich derzeit besonders interessieren. Solche mit Straußenfedern aus dem späten 19. und frühem 20. Jahrhundert waren in der Sammlung mehrfach vetreten, ebenso ein wunderschöner asiatischer Rundfächer mit Pfauenfedern. Nicht gesehen habe ich Fächer aus den Federn anderer Vogelarten. So besitzt etwa das Victoria & Albert Museum in London Fächer aus den Federn des Argusfasans oder einen Fächer, der ganz aus den kleinen blauen Federn von Eichelhähern geschaffen wurde.

Wieder zurück in Darmstadt konnte ich mit meinem neu erworbenen Wissen auf meinen Streifzügen bei e-bay feststellen, dass speziell historische Straußen- und Nandufeder-Fächer im Handel gelegentlich zu akzeptablen Preisen angeboten werden. Wenn auch längst nicht in der großartigen Qualität, wie ich sie im Museum bewundern konnte, sondern mit schlichten Stäben aus gesprenkeltem Bakelit. Vor einigen Wochen bin ich beim Stöbern jedoch auf dieses außergewöhnliche Exemplar gestoßen.

 

Für diesen Fächer wurden die Schwungfedern einer großen Eule, vermutlich eines Uhus, auf Stäben aus rotbraunem Holz montiert. Solche Fächer sind wesentlich seltener erhalten geblieben als etwa Straußenfeder-Fächer. Strauße wurden damals bereits in großen Farmen speziell wegen ihrer Federn gezüchtet. Die Federn der Eule hingegen kamen wohl eher zufällig in die Ateliers der Fächermacher. Wie beliebt Fächer auch aus ungewöhnlichen Vogelfedern damals waren, erkennt man, wenn man sich Frauenporträts aus der Zeit anschaut.

Dante Gabriel Rossettis "Monna Vanna" aus der Londoner Tate Gallery trägt einen Federfächer, der unserem Exemplar aus Eulenfedern recht ähnlich sieht, auch wenn ich glaube, dasse sich hierbei um Federn einer anderen Vogelart, vielleicht einer Großtrappe handeln dürfte.

Zudem sind die Federn auf Rossettis Bild am Übergang zu den Stäben und an den Spitzen mit zusätzlichen Flaumfedern verziert, was dem Fächer eine noch üppigere und luxuriösere Anmutung verleiht und den geheimnisvollen Zauber der dargestellten Schönen unterstreicht. Das Bild belegt auf jeden Fall die Vorliebe für exotische Federn als Acessoire modisch interessierter Damen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und macht neugierig auf weitere Fächer aus Federn seltener und exotischer Vögel. 

15.3.16 15:16

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen