kunstlupe

Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

Meta





 

Andenken aus Italien

 Dieser schöne Fächer wurde vor einigen Wochen bei Ebay angeboten. Versuchsweise habe ich mitgeboten, bekommen habe ich ihn am Ende aber nicht.

Gerne hätte ich ihn ersteigert, weil er einige Gemeinsamkeiten mit einem meiner Lieblingsstücke aus dem dem Museum für angewandte Kunst in Frankfurt aufweist.

Das Frankfurter Exemplar zeigt eine ganz ähnliche Aufteilung in jeweils zwei eckige und ein ovales Bildfeld mit dazwischen eingesetzten Ornamenten, die an antike Wandmalerein erinneren. Die reduzierte Farbigkeit ist ebenfalls ähnlich, die Darstellung der Cestius-Pyramide rechts ist auf beiden Fächern sogar gleich. Hingegen ist auf dem Frankfurter Fächer auf der linken Seite ein römischer Rundtempel abgebildet und in der Mitte die freie Wiedergabe einer pompejanischen Wandbildes. Der Ebay-Fächer zeigt stattdessen einen antiken römischen Stadtturm und in der Mitte den Petersplatz samt Petersdom.

Angeboten wurde der Fächer bei Ebay als französische Arbeit aus dem 19. Jahrhundert. Der Vergleich mit dem aus dem späten 18. Jahrhunderts stammenden Museumsexemplar legt jedoch nahe, dass auch der Ebay-Fächer älter sein dürfte als angegeben. 

Solche Fächer mit Darstellungen der Schönheiten und Sehenswürdigkeiten Italiens waren im 18. Jahrhundert unter Touristen sehr beliebt. Die italienischen Fächerhersteller belieferten die Touristen mit Bildern der damals beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Dazu gehörten die Meisterwerke der Antike ebenso wie Besipiele der jüngeren Kunst und Architektur. So hat sich der Maler oder die Malerin des Ebay-Fächers ganz auf römische Architektur konzentriert. Der Frankfurter Fächer zeigt neben den beiden römischen Gebäuden zusätzlich ein Wandbild, das damals in einem Museum bei Neapel zu sehen war. Tatsächlich gab es in Rom und Neapel Handwerksbetriebe, die sich ganz auf die Produktion solcher sogenannten "Souvenir-Fächer" spezialisiert hatten. Diese Fächer nahm man - wie heute vielleicht Postkarten - von der Reise mit nach Hause, um sich an die vergangene Reise und die gesehenen Kunstwerke und Gebäude zu erinnern oder jemanden etwas Schönes mitzubringen.

Der bei Ebay angebotene Fächer dürfte unter ganz ähnlichen Umständen und im selben Zeitraum entstanden sein wie der Frankfurter Fächer und wohl aus einer Werkstatt aus Rom oder Neapel stammen. Doch im Unterschied zum Museumexemplar ist der Ebay-Fächer vollständiger erhalten: Das Blatt des Frankfurter Fächers wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt auf neue Stäbe aus Kunststoff oder Zelluloid montiert, den es im 18. Jahrhundert noch nicht gab. Damals stellte man die Stäbe aus Elfenbein, Perlmutt oder manchmal auch aus Bein, also Knochen her. Aus Knochen sollen der Beschreibung zufolge auch die Stäbe des Ebay Exemplares  bestehen. Für die beiden äußeren hübsch geschnitzten Stäbe trifft dies mit Sicherheit zu. Ob das Material auch für die inneren Stäbe verwendet wurde, kann ich aufgrund der Abbildung nicht beurteilen.

Dem neuen Besitzer oder die Besitzerin kann ich zu dem glücklichen Kauf des schönen Stücks nur gratulieren.

20.4.16 14:49

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen