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Ein Kunsttagebuch von Stephanie Hauschild
 

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Mumien in München

Ups, jetzt habe ich schon wieder mehrere Monate nichts in diesem Blog geschrieben. Natürlich ist es nicht so, dass zwischendrin nichts Interessantes passiert wäre, über das es sich zu schreiben gelohnt hätte: Eine zweite Reise nach Berlin, um einen Vortrag über Klostergärten zu halten, der Botanische Garten in Berlin, die gestohlene Papst-Reliquie aus Köln, die Arbeit an meinem neuen Buch über Gärten im alten Rom ...

Allerdings habe ich jetzt auch eine Facebook-Seite und ich muss gestehen, dass Einträge dort einfach leichter zu kontrollieren sind und es mit den Bildern dort auch besser klappt. Anyway - das letzte Wochenende in München ist schon einen Eintrag wert. Anlass für die Reise war das Bruce-Springsteen-Konzert im Olympiastadion: Grauenhafte Akustik, großartiges musikalisches und emotionales Erlebnis. Danach war es gar nicht so leicht, nach der Euphorie wieder auf ein normales emotionales Level zu finden.

Ein Besuch im Museum könnte da vielleicht helfen, habe ich mir gedacht. Ausgesucht habe ich mir das Ägyptische Museum , das ich bisher überhaupt noch nicht kannte. Es wurde erst 2013 eröffnet und ist im selben Gebäude untergebracht wie die Hochschule für Film und Fernsehen. Der tief gelegene, über eine flache breite Treppe zu erreichende Eingang wirkt wie eine monumentale Grabkammer. Er ist gar nicht so leicht zu entdecken und nur sehr zurückhaltend beschriftet. Drinnen erwartet die Besucherin sehr freundliches Personal und eine sehr moderne und zum ägyptischen Thema passende Achitektur. 7 € Eintritt sind erträglich. Viel Mühe haben sich die Verantwortlichen mit dem didaktischen Aufbau der Dauerausstellung gegeben. Eine Linie auf dem Fußboden führt durch die Sammlung, so dass man sich eigentlich nicht verlaufen kann. Vermittelt werden Grundkenntnisse zur altägyptischen Kunstgeschichte und Geschichte und zur Lebensweise der alten Ägypter. Die Objekte sind sorgfältig ausgesucht und werden erlesen schön präsentiert.

Nachdem ich den Anfang mit den Skulpturen etwas sperrig fand, wurde es im hinteren Teil dann interessanter: Kleinformatige Modelle von Ställen, menschlichen Figuren mit beweglichen Armen und wundervoll geschnitzten Tieren als Grabbeigaben, ein ewig langer Papyrus mit den Texten des sogennnten "Totenbuchs", bronzene Spitzmäuse, die als Verkörperungen des Sonnengottes verehrt wurden, Oxyrhynchos-Fische, ein wunderschöner silberner Horusfalke, einige Mumienbildnisse aus Fayoum und natürlich Mumien.

Und hier wird es interessant: Das Museum zeigt nämlich keine ausgewickelten Mumien, so wie ich das im Senckenberg-Museum in Frankfurt gesehen habe. Die einzige Mumie, die in München zu sehen war, war eingewickelt mit einem Mumienbild als Maske. In einer bemerkenswerten Beischrift wird erklärt, warum sonst nur die Sarkophage gezeigt werden: Die alten Ägypter haben nämlich den physischen Tod und die Behandlung der Toten mit einem strengen Tabu belegt. In ihren Bildern ist der Leichnam selbst unsichtbar. Dargestellt wird nur die kunstvoll mit Bandagen verhüllte und mit einer Maske verhüllte Leichnam. Gezeigt wird nur der verklärte Tote, der eine neue, ewige Wesenheit angenommen hat. Tote ohne diese Verklärungen werden in Bildern nur dargestellt, wenn es sich um im Jenseitsgericht gescheiterte Sünder handelt, um politische oder magische Feinde. Unter diesem Aspekt betrachtet, ist die Zurschaustellung eines Leichnams eines alten Ägypters im Museum gleichbedeutend mit dessen Verdammnis. Der Text schließt mit der Aufforderung: Es sollte daher selbstverständlich sein, diese Scheu der alten Ägypter vor dem toten Körper zu respektieren.

Dieser Meinung zur Ausstellung von toten Menschen im Museum schließe ich mich gerne an.

21.6.16 10:38

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